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Mittwoch, August 01, 2012

Über das Auto aus zweiter Hand

Eine Frau ist so alt wie sie aussieht. Die Autohändler denken vom Auto dasselbe. Damit sie mir aber nicht den Prozeß machen, lege ich vorher Wert auf die Feststellung, keineswegs behauptet zu haben, daß alle Gebrauchtwagenhändler die Tachometer zurückdrehten, schweres Öl in das Kurbelgehäuse gössen, dem Ge­triebeöl Sägemehl beimengten, die Pedale mit neuen Gummihütchen überzögen, und neuen Lack flüchtig über den jämmer­lichen alten sprühten, - nein, solche Lügen liegen mir fern.

Und dem Gebrauchtwagenhändler würde das auch nichts nützen, denn der vergilbten Tachometerskala könnte man es ansehen, dem rostigen Boden unter den neuen Gummimatten im Innern des Wagens, den abgewetzten Türschnappern und den brüchig gewordenen Kabeln, so versteckt sie auch hinter dem Armatu­renbrett sitzen. Mit all dem sollen Sie sich gar nicht auseinandersetzen. Mieten Sie sich auf einen Tag einen unbefangenen Fachmann...


Quelle: Alexander Spoerl, Mit dem Auto auf du, Piper 1953

Sonntag, Juli 29, 2012

Mit dem Auto auf du

von Alexander Spoerl


ÜBERLACKIERT
Im Gegensatz zur Ehefrau soll man beim Auto eine Nummer prößcr nehmen, als man braucht. Gemessen an den weiteren Rechnungen, die im Laufe des Jahres das Auto macht, spielt es keine Rolle, wenn das größere Auto zwei Liter mehr verbraucht, fünfzig Mark mehr Steuern kostet und hundert Mark mehr an Versicherung. Das sind Zahlen, die man wenigstens vorher weiß. Kostspieliger sind die Überraschungen, die das zu klein gewählte Mobilchen bietet, weil man es dauernd bis an die Grenze seines Könnens fährt, um vor Mitternacht damit noch anzu­kommen. Nichts wird teuerer, als der Absatz auf dem Gaspedal; dann säuft es Brennstoff aus Verzweiflung, mehr Brennstoff als der größere Wagen bei gleichem Tempo. Das kostet Lärm, das kostet Nerven, das kostet Werkstatt. Es kostet schnell das ganze kleine Automobilchen.

Sie beteuern, daß Sie langsam fahren wollen. Damit ist es Ihnen genau so ernst wie mit der Treue. Und wenn ich unrecht haben sollte, dann nur aus dem einen, gleichen Grund: aus Mangel an Gelegenheit. Und so stehen Sie weiter vor der Frage: das kleine neue oder das größere gebrauchte Auto?

Ärger machen vom dritten Tag an beide. Auch unter neuen Wagen gibt es Böcke und sogar solche, aus denen nie etwas Rechtes werden will. Doch bei den neuen geht es anfangs auf Garantie. Beim gebrauchten alten Wagen auf die eigene Rech­nung. Und wegen dieser Rechnung gibt sich die Werkstatt beim alten Wagen auch größere Mühe, aber man weiß nie, wann es mit den Rechnungen einmal zu Ende geht. Ein gebrauchter Wa­gen ist Sache des Glücks, auch dann, wenn Sachverständige an den Achsschenkelbolzen wackeln, am Auspuff schnuppern, die Türen in den Angeln heben, das Motorenöl zwischen Daumen und Zeigefinger zerreiben, mit der Handkurbel gefühlvoll durchdrehen und versonnen die Kerzen beschauen...

Schnäppchenkauf heute in Düsseldorf auf dem Bücherflohmarkt am Rhein:
Alexander Spoerl, Mit dem Auto auf du, R. Piper & Co Verlag, München, 1953